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In der Reha Seewis wird ein strukturiertes Raucherentwöhnungsprogramm eingesetzt

Benjamin Schaefer (Bild), Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, Leitender Psychologe der Reha Seewis, unterstreicht im Gespräch mit den "E-News der Reha Seewis": "Unseren Patientinnen und Patienten ist aus ärztlicher Sicht oft zu empfehlen, das Rauchen aufzugeben. Weil das einfacher gesagt ist als getan, unterstützen wir sie bei diesem Vorhaben." Lesen Sie die Antworten von Benjamin Schaefer auf vier Fragen.

Benjamin Schaefer, die Reha Seewis verfügt über ein strukturiertes Programm zur Raucherentwöhnung – weshalb braucht es das?
Benjamin Schaefer: Viele Patientinnen und Patienten der Reha Seewis leiden an Krankheiten, für die der Tabakkonsum ein wesentlicher Risikofaktor ist. Das gilt besonders bei Herz-Kreislauf-Krankheiten. Diesen Patientinnen und Patienten ist aus ärztlicher Sicht natürlich zu empfehlen, das Rauchen aufzugeben. Weil das einfacher gesagt ist als getan, unterstützen wir sie bei diesem Vorhaben.

Wie läuft diese Raucherentwöhnung?
Benjamin Schaefer: Aufgrund der ärztlichen Eintrittsuntersuchung und einem spezifischen Abklärungsgespräch wird mit dem Patienten zusammen geplant, welche Unterstützung sinnvoll ist. Das Angebot umfasst neben der medikamentösen Behandlung, namentlich mit Nikotinersatzpräparaten, die Beratung in Gruppen oder allenfalls einzeln. Im Mittelpunkt der Beratung steht die Vermittlung grundlegender Informationen über das Rauchen, die Klärung und Förderung der Motivation, das Analysieren von Risikosituationen, das Erarbeiten von Bewältigungsstrategien sowie die Vermittlung externer ambulanter Beratungsangebote.

Gibt es Erfolge?
Benjamin Schaefer: Empirische Studien sprechen eine eindeutige Sprache: Mit einer Unterstützung durch medizinische Behandlung und professioneller Beratung hat man deutlich bessere Erfolgschancen, wirklich langfristig mit dem Rauchen aufzuhören. Wir orientieren uns in unserer Arbeit an den neuesten Leitlinien zur Tabakentwöhnung der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften AWMF. Damit wird sichergestellt, dass wir unseren Patientinnen und Patienten bestmöglich helfen. Natürlich ist das persönliche Engagement der Betroffenen desgleichen von entscheidender Bedeutung.

Angenommen, ein 60-jähriger Mann, der 45 Jahre lang täglich ein Päckchen Zigaretten geraucht hat, will nach einem Herzinfarkt das Rauchen aufgeben – bringt das überhaupt noch etwas?
Benjamin Schaefer: Ja, das bringt sehr viel: Das Risiko für weitere Infarkte wird gesenkt und der allgemeine Gesundheitszustand wird verbessert. Im Zeitablauf hat ein Rauchstopp die folgenden vorteilhaften Auswirkungen:


  • Nach 20 Minuten: Puls und Blutdruck sind normal. Hände und Füsse haben wieder die normale Temperatur
  • Nach 8 Stunden: Der Sauerstoff- und Kohlenstoffspiegel im Blut sind wieder normal
  • Nach 24 Stunden: Das Herzinfarktrisiko ist gesunken
  • Nach 48 Stunden: Die Regeneration der Nervenenden beginnt. Der Geruchssinn und der Geschmackssinn haben sich verbessert
  • Nach 2 bis 3 Monaten: Der Kreislauf stabilisiert sich und die Lungenfunktion verbessert sich
  • Nach 1 bis 9 Monaten: Die Hustenanfälle gehen zurück, desgleichen die Verstopfung der Nasennebenhöhlen, die Infektionsgefahr sowie die Kurzatmigkeit
  • Nach 1 Jahr: Das Herzinfarktrisiko ist auf die Hälfte gesunken
  • Nach 5 Jahren: Das Risiko für Lungenkrebs, Mundkrebs und Speiseröhrenkrebs hat sich halbiert
  • Nach 10 Jahren: Das Lungenkrebsrisiko ist gleich hoch wie bei Nichtrauchern