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​«Erstes Seewis Forum Herzchirurgie»: Minimalinvasiver chirurgischer Herzklappenersatz und perkutaner Aortenklappenersatz TAVI ergänzen sich

Das «Seewis Forum Herzchirurgie» hat sich zum Ziel gesetzt, in der Ostschweiz Herzchirurgen, Kardiologen, Rehamediziner und Hausärzte in engen Erfahrungsaustausch zu bringen. Das erste Forum fand am 7. September 2017 in der Reha Seewis statt. Rund 50 Ärztinnen und Ärzte aus der Region informieren sich über den Stand und die Entwicklung der Herzklappenersatzchirurgie, der damit verbundenen Rehabilitation und der erforderlichen Nachsorge. Aus den Vorträgen der beiden prominenten Herzchirurgen und dem von Dr. André Müller, Grisomed/Gruppenpraxis Küblis, geleiteten Podiumsgespräch (Bild) wird deutlich: Bei der Klappenersatzchirurgie läuft der Trend zu immer minimalinvasiveren Techniken. Hausärzte können an einen erweiterten Kreis von Patienten denken und spielen in der Nachbetreuung eine entscheidende Rolle. Der 2002 erstmals beschriebene, kathetergestützte und rasch aufkommende perkutane Aortenklappenersatz ergänzt den klassischen chirurgischen Klappenersatz. Das Forum wurde sehr geschätzt und wird jährlich, das nächste Mal im Mai 2018, veranstaltet.

Minimalinvasive Operationstechnik soll noch weniger invasiv werden
Seit über 50 Jahren werden Herzklappen mit einem konventionellen chirurgischen Eingriff ersetzt. Die Operation bedurfte lange zwingend einer Öffnung des Brustbeins. Wie Prof. Dr. Jürg Grünenfelder, HerzKlinik Hirslanden Zürich, in seinem Referat unterstreicht, reicht heute ein Schnitt von fünf Zentimetern neben dem Brustbein, um alle herkömmlichen Herzklappenprothesen zu implantieren. Bei diesem minimalinvasiven Aortenklappenersatz, dem «Mini-AKE», bleibt das Brustbein intakt. Die Operation dauert weniger als zweieinhalb Stunden. Zur Auswahl stehen mechanische und biologische Klappenprothesen. Letztere bestehen zumeist aus tierischem Gewebe. Ihr Nachteil: Sie haben im Vergleich zu den mechanischen Klappenprothesen eine kürzere Lebensdauer. Doch sie sind besser verträglich, weil die bei mechanischen Klappenprothesen lebenslang notwendige medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung oft nicht notwendig ist. In seinen Schlussfolgerungen unterstreicht Dr. Jürg Grünenfelder: «Heute steht der minimalinvasive Aortenklappenersatz ‘in Konkurrenz’ zum perkutanten Aortenklappenersatz TAVI. Deshalb läuft der Trend beim chirurgischen Herzklappenersatz dahin, noch weniger invasiv zu werden.»

«Transkatheter-Aortenklappen-Implantation TAVI» ist im Kommen
Der perkutane Aortenklappenersatz «Transkatheter-Aortenklappen-Implantation TAVI» wird im Jahr 2002 erstmals beschrieben. Dieser mithin noch junge Eingriff wurde zunächst für betagte und konventionell nichtoperable Patienten eingeführt. In den Jahren 2013 bis 2015 erhielten etwa 30 Prozent mehr Patienten die Möglichkeit eines perkutanten Aortenklappenersatzes. Aktuell wird rund bei der Hälfte der Patienten die Aortenklappe mit dieser Technik eingesetzt.
Der Eingriff erlaubt es, die Aortenklappe am schlagenden Herzen zu ersetzen. Bei dem schonenden Eingriff in Lokalanästhesie wird ein Stent mit der eingenähten Aortenklappe von der Leistenarterie aus zum Herzen vorgeschoben. Unter Röntgenkontrolle wird der Stent in der kranken Aortenklappe positioniert und entfaltet. Dabei wird die alte Klappe zur Seite gedrückt und die neue Klappe übernimmt deren Funktion. Die TAVI-Eingriffe erfolgen in enger Zusammenarbeit zwischen Kardiologie und der Herzchirurgie. Prof. Dr. Francesco Maisano, Universitäres Herzzentrum Zürich, betont in seinem Referat, dass aufgrund der guten Ergebnisse der vorliegenden Studien die Hämodynamik und die Stabilität der TAVI-Klappen den chirurgisch implantierten Aortenklappen ebenbürtig zu sein scheinen. Deshalb ist der TAVI-Eingriff künftig mehr und mehr auch für Patienten mit einem geringen operativen Risiko eine Alternative. «TAVI ist im Kommen», lautet seine Schlussfolgerung.

«TAVI-Reha»
Dr. Clemens Drobig, Co-Chefarzt der Reha Seewis, erläutert den Bedarf und die Evaluierung für ein Rehabilitationsverfahren speziell für Patienten nach einer «Transkatheter-Aortenklappe». Es wurde der Entwurf eines Reha-Konzeptes für diese Patienten vorgestellt. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt des Triemli-Spitals Zürich, dem Universitären Herzzentrums Zürich, der Klinik für Geriatrie am USZ und der Reha Seewis. Dadurch können Patienten früher rehabilitiert sowie die Lebensqualität und die Prognose im Langzeitverlauf gezielt verbessert werden.

«Antithrombotische Therapie nach Klappenersatz»
Nach einem Klappenersatz ist eine individuell abgestimmte Antikoagulation von grosser Bedeutung, um die gegenläufigen Thrombose- und Blutungsrisiken zu minimieren. Chefarzt Dr. Michael Coch, Reha Seewis, hebt bei seinen Ausführungen über die «Antithrombotische Therapie nach Klappenersatz» das wichtige Zusammenspiel zwischen Akut-Spital, Reha, Hausarzt und Facharzt hervor: Das Spitalteam legt die Einstellungen und die dazugehörigen Empfehlungen fest, die Reha stellt deren Einhaltung sicher und vermittelt dem Patienten dazu wichtige Kenntnisse, der Hausarzt übernimmt die Überprüfung der Einhaltung der Vorgaben und kontrolliert den Verlauf der Werte, der Facharzt überprüft die Möglichkeit der Deeskalation regelmässig.

Podiumsgespräch geleitet von Dr. André Müller, Küblis
Nach den Vorträgen moderiert Dr. André Müller, Grisomed/Gruppenpraxis Küblis, einen intensiven Austausch zur Frage, welche Patienten heutzutage für eine TAVI beziehungsweise moderne Herzoperation geeignet sind und einem Herzteam vorgestellt werden sollten. Dabei wurde die Rolle des Hausarztes betont, der den Patienten und seine Erkrankung am besten kennt, die neuen Optionen bedenkt und an die Spezialisten überweist. Für den nachhaltigen Effekt ist die nahtlose Übernahme aus der Reha sowie kompetente und engmaschige Betreuung besonders Anfangs von hoher Bedeutung.

Die Vorträge sind auf der Homepage der Reha Seewis unter http://www.rehaseewis.ch/forum.html zu finden.